SIBO-Atemtest

Vorsicht: einen Fehler darfst du beim SIBO-Atemtest nicht machen

Schau dir am Ende des Textes das Video an.

Der SIBO-Atemtest ist die erste Anlaufstelle, wenn der Verdacht auf eine SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) im Raum steht. Typische Anzeichen sind Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen, wechselnder Stuhlgang oder ein Reizdarm-Syndrom, das sich trotz Behandlung kaum bessert. Auch nach einer Antibiotikabehandlung, nach Darmoperationen oder bei bestimmten Grunderkrankungen wie Hypothyreose oder Diabetes, die die Darmmotilität verlangsamen, ist der Test sinnvoll.

Kurz gesagt: Immer dann, wenn der Dünndarm als Ursache deiner Beschwerden in Frage kommt.

Einen SIBO-Atemtest bieten viele Labore an. In der Regel kannst du den SIBO-Atemtest bequem zu Hause selbst durführen. Dieser wird auch in einigen Praxen angeboten. Weil er aber sehr zeitaufwändig ist, ist er vor Ort nicht immer sinnvoll.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein SIBO-Atemtest sinnvoll ist, dann mache meinen SIBO-Screening-Test. Dabei handelt es sich um einen Fragebogen, der dein RISIKO-Score berechnet. Ist der Score hoch, solltest du einen SIBO-Atemtest machen. Der Screening-Test ist kostenlos.

Auf einen SIBO-Atemtest musst du dich gut vorbereiten

Damit das Ergebnis verwertbar ist, brauchst du eine sorgfältige Vorbereitung. Dazu gehören eine spezielle Diät am Vortag, eine Fastenphase von mindestens zwölf Stunden und die Pause von bestimmten Medikamenten. Alles Wichtige dazu findest du in unserem separaten Artikel zur Testvorbereitung.

Lies dazu am besten den Artikel: Vorbereitung auf den SIBO-Atemtest.

So funktioniert der Test

Das Prinzip ist einfach und elegant zugleich: Bakterien im Dünndarm vergären Zucker und produzieren dabei Gase. Diese Gase wandern durch die Darmwand ins Blut und werden über die Lunge abgeatmet. Was im Darm entsteht, lässt sich also wenige Minuten später in deiner Ausatemluft messen.

Für den Laktulose-Atemtest trinkst du zu Beginn eine Lösung mit Laktulose, einem unverdaulichen Zweifachzucker. Laktulose wird im Dünndarm selbst nicht resorbiert, sondern wandert ihn vollständig entlang. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber Glukose: Laktulose macht auch die weiter entfernten Abschnitte des Dünndarms sichtbar.

Der Ablauf sieht so aus:

  • Schritt 1 – Referenzprobe: Noch vor der Einnahme der Lösung pustest du in das erste Probenröhrchen. Diese Ausgangsprobe zeigt den Basiswert deiner Atemluft.
  • Schritt 2 – Zuckerlösung trinken: Du nimmst die Laktulöselösung ein und wartest danach 30 Minuten, bevor du die erste Folgeprobe gibst.
  • Schritt 3 – Serielle Proben alle 20-30 Minuten: Ab der zweiten Probe pustest du in regelmäßigen Abständen von 20 bis 30 Minuten (je nach Testprotokoll und Labor) in je ein neues Röhrchen, insgesamt über einen Zeitraum von 150 Minuten. Je nach Labor können das sechs bis sieben Proben sein, manchmal auch mehr.

Die Röhrchen enthalten ein Vakuum, das die Atemluft automatisch einzieht. Wichtig dabei: Du atmest durch das Gerät und drückst das Röhrchen erst während des Ausatmens auf den Adapter. Jedes Labor legt ein detailliertes Protokoll bei, das Reihenfolge und Zeitpunkte genau vorgibt.

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Der häufigste Fehler bei der Durchführung

Wer das erste Mal testet, macht oft denselben Fehler: Das Röhrchen wird auf den Adapter gedrückt, bevor man anfängt zu pusten. Dadurch strömt Umgebungsluft ins Röhrchen statt Atemluft. Das Ergebnis ist verfälscht.

Die richtige Reihenfolge lautet: Erst ausatmen, dann währenddessen das Röhrchen eindrücken. Der Unterdruck zieht genau in diesem Moment die Atemluft ein. Das erfordert etwas Übung, klappt aber nach ein, zwei Versuchen zuverlässig.

Schau dir am besten das Video an. Dort demonstriere ich es für dich.

Welche SIBO-Formen lassen sich erkennen?

Aus der Atemluft lassen sich drei Gastypen messen, die auf unterschiedliche Formen der Fehlbesiedlung hinweisen:

Wasserstoff (H₂): Ein Anstieg von mindestens 20 ppm innerhalb der ersten 90 Minuten gilt als positiver Befund für die klassische H₂-SIBO. Sie entsteht, wenn wasserstoffproduzierende Bakterien den Dünndarm besiedeln.

Methan (CH₄): Ein Wert von 10 ppm oder mehr zu irgendeinem Zeitpunkt des Tests deutet auf eine sogenannte IMO hin, kurz für Intestinale Methanogen-Überwucherung. Hier sind es methanproduzierende Archaeen, die sich im Dünndarm festgesetzt haben. Sie gehen häufig mit hartnäckiger Verstopfung einher.

Schwefelwasserstoff (H₂S): Diese Form bleibt beim Standardtest unsichtbar, weil die meisten Geräte H₂S nicht messen. Für die Erkennung einer H₂S-SIBO brauchst du einen spezialisierten Dreigas-Atemtest, der sehr teuer ist und noch kaum verbreitet. Alternativ kann eine Mikrobiom-Analyse Hinweise auf Bakterien geben, die Schwefelwasserstoff produzieren.

Die Grenzen des Atemtests

Der Atemtest hat auch Schwächen, deshalb sind die klinischen Symptome ebenso sehr wichtig. Man kann sich nicht 100%iig auf den SIBO-Atemtest verlassen.

Sein wichtigstes Manko: Bei Menschen mit sehr schneller Darmpassage kann die Laktulöselösung den Dünndarm so zügig durchlaufen, dass das erste Gas bereits aus dem Dickdarm stammt. Der Test sieht dann positiv aus, obwohl der Dünndarm unauffällig ist.

Umgekehrt gibt es Fehlbesiedlungen, die der Test schlicht übersieht, etwa wenn die betroffenen Bakterien wenig oder kein messbares Gas produzieren.

Der theoretisch präzisere Weg wäre die direkte Entnahme von Dünndarmflüssigkeit per Endoskopie. Dieser Eingriff ist jedoch invasiv, teuer und fehleranfällig, weil die Mundflora die Probe kontaminieren kann. Anaerobe Bakterien wachsen auf Standardnährböden oft gar nicht. Im klinischen Alltag wird eine Endoskopie dafür nicht durchgeführt.

Wann kann das Ergebnis falsch sein?

Falsch positiv bedeutet: Der Test schlägt an, obwohl keine Fehlbesiedlung vorliegt. Das passiert vor allem bei schneller Darmpassage, wenn die Laktulose den Dünndarm ungewöhnlich rasch durchläuft und der erste Gasanstieg schon aus dem Dickdarm stammt. Auch eine unzureichende Vorbereitung, also Reste fermentierbarer Lebensmittel aus dem Vortag, kann die Basislinie nach oben verschieben und das Ergebnis trüben.

Falsch negativ bedeutet: Der Test bleibt unauffällig, obwohl eine Fehlbesiedlung besteht. Wer in den vier Wochen vor dem Test Antibiotika eingenommen hat, testet auf einem künstlich dezimierten Mikrobiom. Gleiches gilt, wenn du eine H₂S-SIBO hast und mit einem Zweigas-Test getestet wirst: Schwefelwasserstoff erscheint dann schlicht nicht im Ergebnis.

Ein unauffälliger Atemtest schließt SIBO also nicht zwingend aus. In solchen Fällen lohnt es sich, das Testergebnis immer gemeinsam mit dem klinischen Bild zu bewerten.