Verstopfung: Was kann ich dagegen tun?
Von Dr. Georg Mekras
Rund 14 Prozent der Erwachsenen leiden an einer chronischen Verstopfung, Frauen mehr als doppelt so häufig wie Männer, mit dem Alter steigt die Zahl weiter an. Meist kommen mehrere Ursachen zusammen: zu wenig Flüssigkeit, Bewegung und Ballaststoffe. Häufig übersehen werden Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Kaliummangel, geschädigte Darmnerven und methanbildende Mikroorganismen im Darm (IMO).
Der erste Schritt ist einfacher als gedacht. Ausreichend trinken, Flohsamenschalen langsam einschleichen, täglich spazieren gehen, morgens eine feste Toilettenzeit einplanen und die Füße dabei auf einen Hocker stellen. Reicht das nicht, helfen rezeptfreie Präparate, die nicht dauerhaft eingesetzt werden sollten. Abführmittel sollten aber nur in Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin dauerhaft eingenommen werden.
- Verstopfung: Was kann ich dagegen tun?
- Ab wann spricht man von Verstopfung?
- Wie viele Menschen sind von Verstopfung betroffen?
- Was passiert im Darm, wenn er träge wird?
- Warum ist eine dauerhafte Verstopfung problematisch?
- Was sind die häufigsten Ursachen für Verstopfung?
- Welche Rolle spielt Ihr Alltag?
- Trinken Sie wirklich genug?
- Wie stark bremst Bewegungsmangel den Darm?
- Warum Ballaststoffe mehr sind als Füllmaterial
- Was passiert, wenn Sie den Stuhldrang regelmäßig aufschieben?
- Welche Medikamente führen zu einer Verstopfung?
- Kann die Schilddrüse dahinterstecken?
- Was haben Kalium und Magnesium mit dem Stuhlgang zu tun?
- Können die Darmnerven geschädigt sein?
- Was ist IMO und warum bleibt es so oft unerkannt?
- Was können Sie selbst gegen Verstopfung tun?
- Welche rezeptfreien Präparate gibt es in der Apotheke?
- Was sind Prokinetika und wann sind sie sinnvoll?
- Welche pflanzlichen Prokinetika gibt es ohne Rezept?
- Wann sollten Sie ärztlich abklären lassen?
- Häufige Fragen
Ab wann spricht man von Verstopfung?
In der Medizin heißt die Verstopfung Obstipation. Als chronisch gilt sie, wenn die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen und der Beginn etwa ein halbes Jahr zurückliegt. Dabei zählt weit mehr als die Frage, wie oft Sie zur Toilette gehen. Mindestens zwei der folgenden Punkte sollten bei mehr als jedem vierten Toilettengang auftreten: harter oder klumpiger Stuhl in Form von Schafskötteln, starkes Pressen, das Gefühl der unvollständigen Entleerung, ein Gefühl der Blockierung, Nachhelfen mit der Hand sowie weniger als drei Stuhlgänge pro Woche (DGVS-Leitlinie 2022).
Diese Unterscheidung ist für Betroffene wichtiger, als sie klingt. Viele Menschen haben täglich Stuhlgang und trotzdem eine behandlungsbedürftige Verstopfung, weil jede Entleerung zur Anstrengung wird. Blähungen und Druck im Bauch kommen häufig dazu.
Chronisch wird die Verstopfung, wenn diese Beschwerden über mehrere Monate bestehen. Der Übergang verläuft schleichend. Kaum jemand kann sagen, wann es angefangen hat, und genau darin liegt das Problem: Was allmählich kommt, wird als normal abgespeichert.
Wie viele Menschen sind von Verstopfung betroffen?
Eine systematische Übersichtsarbeit mit 261.000 Teilnehmern ermittelte eine Häufigkeit der chronischen Verstopfung von 14 Prozent (Suares & Ford, Am J Gastroenterol 2011). Die Größenordnung war in den meisten Regionen ähnlich, nur in südostasiatischen Studien fiel sie niedriger aus.
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit zu.
Bei Menschen mit einem Reizdarmsyndrom trat die chronische Verstopfung erheblich häufiger auf. Wer also unter einem Reizdarmsyndrom leidet und zusätzlich einen trägen Darm hat, erlebt keinen Zufall. Es ist gar nicht so selten, dass eine IMO dahinter steckt. Was das ist, klären wir später.
Die Zunahme im Alter hat handfeste Gründe. Das Durstgefühl lässt nach, die Bewegung wird weniger, die Zahl der eingenommenen Medikamente wächst. Verstopfung gehört damit zu den häufigsten Beschwerden überhaupt, über die am seltensten gesprochen wird.
Was passiert im Darm, wenn er träge wird?
Der Darm ist von einer Ring- und einer Längsmuskulatur umgeben. Sie zieht sich in Wellen zusammen und schiebt den Inhalt weiter, ähnlich wie bei einer Schlange, die ihre Beute weitertransportiert. Den Takt dafür geben spezialisierte Schrittmacherzellen vor (Cajal-Zellen). Sie funktionieren im Darm wie der Sinusknoten im Herzen. Gesteuert wird das Ganze vom enterischen Nervensystem, dem eigenen Nervengeflecht des Darms.
Läuft dieser Takt zu langsam, bleibt der Stuhl länger im Dickdarm liegen. Dort wird ihm fortlaufend Wasser entzogen. Er wird härter, der Transport wird schwerer, der Stuhl bleibt noch länger liegen. So schließt sich der Kreis, und aus einem gelegentlichen Problem wird ein dauerhafter Zustand.
Warum ist eine dauerhafte Verstopfung problematisch?
Jahrelanges Pressen kann zu Einrissen am After (Analfissuren), zu Hämorrhoidalleiden und Blutungen führen. Auch Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) werden begünstigt.
Menschen mit chronischer Verstopfung haben eine messbar schlechtere Lebensqualität. Die seelische Belastung empfinden die meisten Menschen schlimmer als die körperliche Belastung (DGVS-Leitlinie 2022). Genau das ist für die meisten Betroffenen der eigentliche Grund, etwas zu ändern.
Eine hartnäckige Verstopfung kann auch ein Hinweis auf etwas anderes sein. Hinter der Verstopfung kann eine Schilddrüsenerkrankung stecken, ein Medikament, ein Elektrolytmangel oder eine Fehlbesiedlung des Darms (IMO). Wer jahrelang zum Abführmittel greift, verschafft sich Erleichterung und verliert die eigentliche Ursache aus dem Blick.
Was sind die häufigsten Ursachen für Verstopfung?
| Ursache | Typisches Muster | Was dafür spricht | Sinnvoller nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Zu wenig Flüssigkeit | Harter, bröckeliger Stuhl, Besserung an Tagen mit viel Trinken | Weniger als eineinhalb bis zwei Liter am Tag, abgeschwächtes Durstgefühl im Alter | Tagesmenge sichtbar bereitstellen und abends kontrollieren |
| Bewegungsmangel | Beschwerden nehmen an Schreibtischtagen zu, bessern sich im Urlaub | Überwiegend sitzender Alltag, Phasen mit Bettruhe oder Krankheit | Täglicher Spaziergang mit festem Platz im Tagesablauf |
| Zu wenig Ballaststoffe | Kleine Stuhlmengen, wenig Volumen, Blähungen | Wenig Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn auf dem Teller | Ballaststoffe langsam steigern, Trinkmenge parallel erhöhen |
| Unterdrückter Stuhldrang | Der Drang meldet sich zur falschen Zeit und verschwindet wieder | Großraumbüro, Schichtdienst, Kundenkontakt, Reisen, Scheu vor fremden Toiletten | Feste Toilettenzeit nach dem Frühstück einplanen |
| Medikamente | Die Verstopfung beginnt zeitlich mit einem neuen Präparat | Opioide, Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Antihistaminika, Spasmolytika, Gallensäurebinder, Diuretika, Eisenpräparate | Medikationsplan ärztlich durchgehen, nichts eigenmächtig absetzen |
| Schilddrüsenunterfunktion | Verstopfung zusammen mit Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme | Bekannte Hashimoto-Thyreoiditis, Beschwerden trotz laufender Therapie | Schilddrüsenwerte einschließlich Umwandlung von T4 in T3 ärztlich prüfen lassen |
| Kalium- und Magnesiummangel | Verstopfung verstärkt sich, je länger abgeführt wird | Monatelanger Gebrauch von Abführmitteln oder Diuretika, Muskelkrämpfe, Schwäche | Elektrolyte im Blut kontrollieren lassen |
| Geschädigte Darmnerven | Träger Darm über Jahre, oft mit Reizdarmsymptomatik | Diabetes mellitus mit Polyneuropathie, schwere Lebensmittelvergiftung in der Vorgeschichte | Ärztliche Abklärung, Motilität gezielt behandeln |
| Methanbildende Mikroorganismen (IMO) | Jahrelange Verstopfung, alle üblichen Maßnahmen bleiben wirkungslos | Starke Blähungen, Völlegefühl, kein Effekt durch Ballaststoffe und Trinkmenge (Pimentel et al., 2010) | Ärztlich veranlasster Atemtest, ergänzend eine Mikrobiom-Analyse |
Diese Ursachen schließen sich gegenseitig nicht aus. In der Praxis liegen meist zwei oder drei gleichzeitig vor. Deshalb bringt eine einzelne Maßnahme oft weniger, als die Betroffenen erhofft hatten.
Welche Rolle spielt Ihr Alltag?
Trinken Sie wirklich genug?
Der Stuhl besteht zum größten Teil aus Wasser. Wer dauerhaft zu wenig trinkt, liefert dem Darm schlicht das Material nicht, aus dem er einen weichen Stuhl formen könnte. Als Richtwert gelten mindestens anderthalb bis zwei Liter am Tag.
Im Alter meldet sich der Durst leiser. Viele Menschen trinken deutlich weniger, als sie glauben. Ein einfacher Test schafft Klarheit. Stellen Sie sich morgens die Tagesmenge sichtbar hin und schauen Sie abends nach, wie viel übrig geblieben ist. Das Ergebnis überrascht die meisten.
Wie stark bremst Bewegungsmangel den Darm?
Körperliche Aktivität regt die Darmbewegung an. Am deutlichsten zeigt sich das im Krankenhaus, wo Patienten nach wenigen Tagen Bettruhe regelmäßig eine Verstopfung entwickeln. Im Alltag arbeitet derselbe Mechanismus langsamer und ebenso zuverlässig. Ein überwiegend sitzender Tag erzeugt einen trägeren Darm als ein Tag mit Bewegung an der frischen Luft.
Warum Ballaststoffe mehr sind als Füllmaterial
Ballaststoffe binden Wasser und erhöhen das Stuhlvolumen. Damit geben sie dem Darm einen Dehnungsreiz, auf den er mit Bewegung antwortet. Gleichzeitig sind sie das Futter für eine bestimmte Gruppe von Darmbakterien, die Butyratbildner. Butyrat ist eine kurzkettige Fettsäure, die die Darmschleimhaut ernährt und die Darmbewegung anregt. (Zhuang et al., Mol Nutr Food Res 2019)
Bei Menschen mit chronischer Verstopfung finde ich in der Mikrobiom-Analyse häufig genau diese Bakteriengruppe vermindert. Es fehlt also die Faser, und es fehlt der Bakterienstamm, der daraus etwas machen könnte. Wer nur die Ballaststoffmenge erhöht, löst deshalb manchmal nur die Hälfte des Problems.
Was passiert, wenn Sie den Stuhldrang regelmäßig aufschieben?
Dieser Punkt wird selten angesprochen und gehört zu den wichtigsten. Wer im Großraumbüro arbeitet, im Kundenkontakt steht oder unterwegs keine passende Toilette findet, schiebt den Drang auf. Der Körper lernt daraus. Der Entleerungsreflex wird schwächer, der Stuhl bleibt liegen und verhärtet.
Aus einer Verlegenheitslösung wird ein antrainiertes Verhalten. Die gute Nachricht: Was antrainiert wurde, lässt sich auch wieder umlernen. Dazu braucht es eine feste Uhrzeit und etwas Geduld.
Welche Medikamente führen zu einer Verstopfung?
Eine überraschend große Zahl häufig verordneter Präparate verlangsamt den Darm als Nebenwirkung. Dazu gehören Opioide, also starke Schmerzmittel, außerdem Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika und Antihistaminika. Auch krampflösende Mittel, die Spasmolytika, dämpfen den Entleerungsreiz mit.
Dazu kommen Gallensäurebinder, harntreibende Medikamente und Eisenpräparate, die vor allem Frauen häufig einnehmen. Wenn Ihre Verstopfung zeitlich mit einem neuen Medikament begonnen hat, ist das ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wert. Verordnete Präparate setzen Sie bitte niemals eigenmächtig ab.
Kann die Schilddrüse dahinterstecken?
Schilddrüsenhormone sind Antriebshormone. Bei einer Unterfunktion, medizinisch Hypothyreose, laufen die Stoffwechselprozesse langsamer, und der Darm macht das mit. Typisch ist die Kombination aus Gewichtszunahme, Müdigkeit, Frieren und Verstopfung. Insgesamt steckt die Schilddrüse allerdings eher selten hinter einer Verstopfung. Wenn keine weiteren Anzeichen einer Unterfunktion vorliegen, ist sie eine seltene Erklärung. Kommen die typischen Begleitsymptome dazu, gehört sie geprüft.
Ein Punkt wird dabei regelmäßig übersehen. Die Schilddrüse produziert überwiegend T4, das Speicherhormon. Im Körper muss es erst in das wirksame T3 umgewandelt werden. Bei Entzündungsprozessen funktioniert dieser Schritt schlechter. Die meisten Patienten erhalten eine Monotherapie mit Thyroxin, also T4, und die Beschwerden bestehen trotz laufender Behandlung fort.
Was haben Kalium und Magnesium mit dem Stuhlgang zu tun?
Für die Weiterleitung der Nervenimpulse im Darm sind Magnesium und Kalium entscheidend. Ein Kaliummangel, medizinisch Hypokaliämie, verstärkt eine Verstopfung deutlich und wird in der Praxis regelmäßig übersehen.
Ein Blick lohnt auf das Zusammenspiel mit Abführmitteln. Bei therapeutischem Gebrauch bleiben die Elektrolyte in aller Regel stabil, in seltenen Fällen sind jedoch deutliche Verschiebungen dokumentiert (AkdÄ 2006). Sinkt das Kalium, verlangsamt sich der Darm zusätzlich, die Beschwerden nehmen zu, und mancher erhöht daraufhin die Dosis. Wer über Monate abführt, sollte die Elektrolyte im Blut deshalb einmal kontrollieren lassen, besonders bei gleichzeitiger Einnahme von harntreibenden Medikamenten.
Können die Darmnerven geschädigt sein?
Ja, und dann fehlt der Impuls für die Transportwellen. Bei einem Diabetes mellitus greifen dauerhaft erhöhte Zuckerwerte das Nervengewebe an. Was am Bein als Missempfindung oder Taubheit auffällt, spielt sich in gleicher Weise im Darm ab. Die Fachleute sprechen von einer Polyneuropathie, und das enterische Nervensystem ist davon genauso betroffen wie die Nerven in der Peripherie.
Ein zweiter Weg ist die postinfektiöse Schädigung. Nach einer Lebensmittelvergiftung binden bestimmte bakterielle Toxine an Nervengewebe im Darm und beschädigen es. Genau deshalb entsteht eine Reizdarmsymptomatik so häufig direkt im Anschluss an einen schweren Magen-Darm-Infekt. Wer aus einem Urlaub mit einer heftigen Durchfallerkrankung zurückkommt und danach nie wieder eine geregelte Verdauung hat, erlebt genau diesen Mechanismus.
Auch oxidativer Stress und eine Dysbiose im Darm können das Nervengewebe in Mitleidenschaft ziehen. Bei solchen Verläufen reichen Trinkmenge und Ballaststoffe selten aus. Hier braucht es einen Ansatz, der die Motilität selbst adressiert.
Was ist IMO und warum bleibt es so oft unerkannt?
Das ist der Punkt, an den bei jahrelanger Verstopfung fast nie gedacht wird. IMO (Methan-SIBO) steht für intestinales methanogenes Overgrowth-Syndrom, also eine Vermehrung methanbildender Mikroorganismen. Anders als bei der klassischen Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) betrifft sie Dünndarm und/oder Dickdarm gleichermaßen.
Diese Mikroben produzieren Methangas. Methan blockiert die cholinergen Nervenfasern im Darm, also genau die Fasern, die die Bewegung auslösen. Der Darm wird träge, unabhängig davon, wie viele Ballaststoffe und wie viel Wasser Sie zuführen. Das erklärt die frustrierende Erfahrung vieler Betroffener, die alles richtig machen und trotzdem keinen Fortschritt sehen.
Eine Arbeit von Professor Mark Pimentel aus dem Jahr 2010 zeigte, dass sich aus einem Methannachweis mit einer Sensitivität von über neunzig Prozent auf eine bestehende Verstopfung schließen lässt (Pimentel et al., 2010). Nachweisen lässt sich das über einen Atemtest, ergänzend kann eine Mikrobiom-Analyse Hinweise auf vermehrte methanbildende Darmbakterien im Dickdarm geben.
Wenn Sie seit Jahren unter Verstopfung leiden und alle üblichen Maßnahmen wirkungslos bleiben, gehört eine IMO abgeklärt.
Was können Sie selbst gegen Verstopfung tun?
| Maßnahme | So setzen Sie es um | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|---|
| Flohsamenschalen | Ein Teelöffel mit einem großen Glas Wasser, direkt danach ein zweites Glas trinken | Mit kleiner Menge beginnen und über Wochen steigern. Ohne ausreichend Flüssigkeit verstärken sich die Beschwerden |
| Lauwarmes Wasser am Morgen | Ein Glas direkt nach dem Aufstehen, auf nüchternen Magen | Der Dehnungsreiz im Magen stößt den Reflex an. Wirkt am besten in fester Routine |
| Kaffee am Morgen | Eine Tasse nach dem Wasser, danach zwanzig Minuten Zeit für die Toilette einplanen | Kaffee stimuliert den Dickdarm. Bei empfindlichem Magen oder Reflux zurückhaltend einsetzen |
| Toilettenhocker | Füße auf einen kleinen Hocker stellen, sodass die Knie über Hüfthöhe kommen | Ohne Hocker gehen Sie auf die Zehenspitzen. Das Rektum richtet sich gerade aus, das Pressen entfällt |
| Bauchmassage | Im Liegen mit flacher Hand im Uhrzeigersinn, rechts unten beginnend, nach oben, quer, links hinunter | Fünf bis zehn Minuten täglich reichen. Besonders geeignet bei eingeschränkter Beweglichkeit |
| Bewegung mit festem Platz im Tag | Zwanzig bis dreißig Minuten zügig gehen, am besten nach dem Essen | Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Ergänzend Radfahren, Schwimmen oder moderates Krafttraining |
| Feste Toilettenzeit | Jeden Tag zur gleichen Uhrzeit, meist nach dem Frühstück, ohne Zeitdruck | Der Entleerungsreflex lässt sich auf eine Uhrzeit trainieren. Rechnen Sie mit mehreren Wochen |
| Auslassversuch bei Verdacht | Eier, Fleisch und Milchprodukte zwei bis drei Wochen konsequent weglassen | Danach einzeln wieder einführen und beobachten. So erkennen Sie den Auslöser, statt dauerhaft zu verzichten |
Warum Flohsamenschalen so oft frühzeitig abgebrochen werden
Flohsamenschalen sind lösliche Ballaststoffe. Sie binden im Darm Wasser und machen den Stuhl weich und voluminös. Entscheidend ist die Flüssigkeit. Ohne ausreichende Menge quellen die Flohsamenschalen nicht richtig auf und verschlimmern die Beschwerden. Bei einer Verstopfung sollte man zu einem Teelöffel Flohsamenschalen zwei Glas Wasser trinken.
Der zweite Stolperstein ist die Dosierung am Anfang. Ihre Darmbakterien sind die plötzliche Ballaststoffmenge nicht gewohnt. Ein zu schneller Einstieg führt zu heftigen Blähungen, und viele brechen dann ab, obwohl allein die Dosis zu hoch war. Fangen Sie klein an und lassen Sie sich Zeit.
Warum die Sitzhaltung auf der Toilette einen Unterschied macht
Auf der modernen Sitztoilette bleibt der Analkanal durch die Haltung teilweise abgeknickt. Der Entleerungsreiz kann seine Arbeit nur eingeschränkt erledigen. In Regionen, in denen Menschen in der Hocke entleeren, ist dieses Problem weitgehend unbekannt.
Abhilfe schafft ein kleiner Hocker unter den Füßen. Die Knie kommen über Hüfthöhe, das Rektum richtet sich gerade aus, die Entleerung wird spürbar leichter. Wer keinen Hocker zur Hand hat, kann beim Stuhlgang die Zehenspitzen anheben. Diese Maßnahme kostet fast nichts und wirkt bei vielen Betroffenen sofort.
Welche rezeptfreien Präparate gibt es in der Apotheke?
Wenn die Änderungen im Lebensstil die Verstopfung nicht lösen, kommen rezeptfreie Präparate infrage. Sie sind vor allem für die akute Situation gedacht. Wer sie über längere Zeit braucht, sollte das ärztlich begleiten lassen, denn in seltenen Fällen kann es unter Abführmitteln zu Verschiebungen im Elektrolythaushalt kommen.
| Präparat / Wirkstoff | Wie es wirkt | Wofür geeignet | Grenzen und Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Magnesium (z. B. als Citrat) | Zieht osmotisch Wasser in den Darm und unterstützt das Darmnervensystem | Träger Darm mit hartem Stuhl, häufig unterdosiert eingesetzt | Eine hochdosierte Einnahme sollte wegen möglicher Nebenwirkungen mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion |
| Kalium (z. B. als Citrat) | Zentral für die Nervenweiterleitung im Darm | Ergänzend, vor allem nach längerem Gebrauch von Abführmitteln | Wird fast immer vergessen. Es gibt Kombinationspräparate mit Magnesium- und Kaliumcitrat |
| Vitamin C (Pulver) | Wirkt in höherer Dosierung abführend, zusätzlich antioxidativ | Gut steuerbare Option, etwa fünfhundert Milligramm bis ein Gramm als Ausgangspunkt | Die individuelle Grenze finden Sie durch langsames Steigern. Zu viel führt zu weichem Stuhl bis Durchfall |
| Glycerinzäpfchen | Dehnt den Analkanal leicht und löst den Entleerungsreiz aus | Der Stuhl ist weich, geht aber nicht ab | Wirkt lokal innerhalb weniger Minuten, löst kein Transportproblem im Dickdarm |
| Microlax® (Miniklistier) | Wirkt direkt im Enddarm und macht harten Stuhl gleitfähig | Entleerungsstörung, bestehende Fissuren oder Hämorrhoiden, da das Pressen entfällt | Für den akuten Einsatz, keine Dauerlösung |
| Glauber- und Bittersalz | Ziehen große Mengen Wasser in den Darm, wirken schnell und kräftig | Akute Situationen | Bei häufiger Anwendung können die Elektrolyte aus dem Gleichgewicht geraten, unter anderem Kalium |
| Macrogol (Movicol®, Laxofalk®) | Bindet Wasser im Darm, ohne die Schleimhaut zu reizen | Akute und chronische Verstopfung, gut verträglich | Als Dauerlösung nur mit ärztlicher Begleitung |
| Bisacodyl (Dulcolax®), Natriumpicosulfat (Laxoberal®) | Steigern die Flüssigkeitsabgabe in den Darm und regen die Darmbewegung an | Wirken zuverlässig bei akuter Verstopfung | Bei längerer Anwendung sind in seltenen Fällen Elektrolytverschiebungen beschrieben. Bei Bedarf ärztlich begleiten lassen |
| Lactulose (z. B. Bifiteral®) | Wirkt abführend und fördert das Wachstum günstiger Bifidobakterien | Menschen, die zusätzlich das Mikrobiom unterstützen möchten | Bakterien vergären den Zuckeralkohol, es entstehen Blähungen. Einschleichend beginnen |
| Sennesblätter-Tee | Pflanzliches Abführmittel, wirkt auf Wasserhaushalt und Darmbewegung | Wenn andere Optionen ausgeschöpft sind | Bauchkrämpfe als häufigste Nebenwirkung. In der Schwangerschaft ungeeignet wegen möglicher Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur |
Ein Punkt verbindet mehrere dieser Mittel. Bei den meisten Menschen bleibt der Elektrolythaushalt unter therapeutischem Gebrauch stabil. Es gibt aber dokumentierte Einzelfälle, in denen es zu ernsten Verschiebungen kam, vor allem beim Natrium (AkdÄ 2006). Sinkt dabei auch das Kalium, kann daraus ein ungünstiger Kreislauf entstehen, weil ein Kaliummangel den Darm zusätzlich verlangsamt. Besonders aufmerksam sollten Menschen mit Nieren- oder Herzschwäche sein sowie alle, die gleichzeitig harntreibende Mittel oder bestimmte Antidepressiva einnehmen. Bei längerer Anwendung lohnt in diesen Fällen eine Kontrolle der Blutwerte.
Was sind Prokinetika und wann sind sie sinnvoll?
Prokinetika verfolgen ein anderes Ziel als Abführmittel. Sie ziehen kein Wasser in den Darm, sondern unterstützen die Eigenbewegung. Im Zentrum steht dabei der migrierende Motorkomplex, kurz MMC.
Stellen Sie sich den Dünndarm als lange, gewundene Straße vor. Tagsüber herrscht Verkehr aus Nahrung, Verdauungssäften und Nährstoffen. In den Pausen zwischen den Mahlzeiten und nachts fährt regelmäßig ein Reinigungsfahrzeug durch und sammelt Reste, Schleim und Bakterien ein. Diese Wellen laufen ausschließlich in Fastenphasen und wiederholen sich beim Menschen etwa alle neunzig bis hundertzwanzig Minuten (Takahashi, J Neurogastroenterol Motil 2012). Läuft die Reinigungswelle zu schwach, sammelt sich im Dünndarm an, was dort nicht hingehört. Genau das begünstigt eine Fehlbesiedlung.
Abführmittel wirken überwiegend im Dickdarm und erhöhen den Wassergehalt des Stuhls. Auf den MMC des Dünndarms haben sie keinen gezielten Effekt. Diese Unterscheidung erklärt, warum manche Betroffene mit Abführmitteln zwar Stuhlgang haben, sich aber weiterhin aufgebläht und unwohl fühlen.
Welche pflanzlichen Prokinetika gibt es ohne Rezept?
Ingwer beschleunigt die Magenentleerung und fördert bestimmte Bewegungsmuster im oberen Verdauungstrakt. Häufig wird er mit Artischockenblatt kombiniert. Iberogast und ähnliche Kombinationspräparate aus Bitterstoffen und krampflösenden Pflanzen verbessern das Zusammenspiel von Anspannung und Entspannung im Verdauungstrakt. Sie wirken dabei bewegungsfördernd und lassen sich ergänzend zu den übrigen Maßnahmen einsetzen.
Beide sind gut verträglich. Ingwer kann bei empfindlichem Magen brennen und tritt mit gerinnungshemmenden Medikamenten in Wechselwirkung. Pflanzlich heißt nicht automatisch nebenwirkungsfrei, und wer regelmäßig Medikamente einnimmt, bespricht den Einsatz besser vorher ärztlich.
Ein wichtiger Anwendungsbereich liegt in der Nachsorge. Nach einer erfolgreichen Behandlung einer Dünndarmfehlbesiedlung werden Prokinetika vorbeugend eingesetzt, oft abends vor dem Schlafen, um die nächtliche Reinigungswelle zu stärken. Damit lässt sich das Zeitfenster bis zu einem Rückfall verlängern oder verhindern.
Welche verschreibungspflichtigen Optionen hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt?
Reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, stehen weitere Wirkstoffe zur Verfügung. Dazu zählen MCP-Tropfen mit dem Wirkstoff Metoclopramid und Domperidon, beide mit einem Nebenwirkungsprofil, das eine sorgfältige Abwägung verlangt.
Prucaloprid gilt als moderner Vertreter. Der Wirkstoff greift an bestimmten Serotoninrezeptoren im Darm an, verbessert die MMC-Aktivität und verkürzt die Transportzeit durch den Dünndarm. Gerade bei einer Fehlbesiedlung nach Lebensmittelvergiftung schätzen viele Spezialisten ihn als besonders wirksam ein.
Eine weitere Option ist die niedrig dosierte Erythromycin-Therapie. In sehr geringer Dosis wirkt dieses Antibiotikum rein bewegungsfördernd und regt die Magenentleerung an. Weil Erythromycin die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen und mit vielen Arzneimitteln interagieren kann, gilt hier besondere Vorsicht.
Auch niedrig dosiertes Naltrexon kommt in bestimmten Fällen zum Einsatz, vor allem wenn autoimmune Mechanismen mitspielen oder zusätzlich Schmerzen und Erschöpfung bestehen. Aus der traditionellen chinesischen Medizin gibt es mit Sanhuang Xiexin Tang eine Rezeptur, die häufig bei Verstopfung eingesetzt wird. Sie lässt sich über spezialisierte Apotheken beziehen und ist eine Option für Verläufe, bei denen vieles andere bereits ausgeschöpft wurde.
Wann sollten Sie ärztlich abklären lassen?
Bei schwarzem, teerartigem Stuhl, einer stärkeren oder anhaltenden Blutung sowie bei Blutung mit Kreislaufproblemen gehen Sie sofort in eine Notaufnahme oder rufen den Notruf 112. Kleine hellrote Blutspuren gehören zeitnah ärztlich abgeklärt, sind aber nicht automatisch ein Notfall.
Bitte lassen Sie die Beschwerden zeitnah ärztlich abklären, wenn eines der folgenden Zeichen dazukommt:
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Blut im Stuhl, auch in kleinen Mengen
- Erstmaliges Auftreten nach dem 50. Lebensjahr
- Plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheiten ohne erkennbaren Anlass
- Fieber oder Nachtschweiß
- Blutarmut oder Eisenmangel
- Anhaltendes Erbrechen, tastbare Verhärtung im Bauch
- Darmkrebs oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen in der Familie
- Ein Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall über Wochen
Diese Liste ersetzt keine Untersuchung. Sie hilft Ihnen abzuschätzen, wann Abwarten nicht der richtige Weg ist.
Häufige Fragen
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Der kostenlose Fragebogen von Dr. Mekras dauert wenige Minuten und geht die Beschwerden durch, die bei einer Dünndarmfehlbesiedlung typisch sind.
Zum kostenlosen FragebogenExterne Quellen
- Suares NC, Ford AC. Prevalence of, and Risk Factors for, Chronic Idiopathic Constipation in the Community: Systematic Review and Meta-analysis. Am J Gastroenterol 2011;106(9):1582–1591. https://doi.org/10.1038/ajg.2011.164
- Pimentel M et al. Methane production during lactulose breath test is associated with gastrointestinal disease presentation, 2010.
- Zhuang M, Shang W, Ma Q, Strappe P, Zhou Z. Abundance of Probiotics and Butyrate-Production Microbiome Manages Constipation via Short-Chain Fatty Acids Production and Hormones Secretion. Mol Nutr Food Res 2019;63(23):e1801187. https://doi.org/10.1002/mnfr.201801187
- Takahashi T. Mechanism of interdigestive migrating motor complex. J Neurogastroenterol Motil 2012;18:246–257.
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Schwere Hyponatriämie und zerebrale Krämpfe unter Darmreinigung mit Macrogol (Aus der UAW-Datenbank), 28.07.2006. https://www.akdae.de/arzneimittelsicherheit/bekanntgaben/newsdetail/schwere-hyponatriamie-und-zerebrale-krampfe-unter-darmreinigung-mit-macrogol-aus-der-uaw-datenbank
- Andresen V, Pehl C et al. S2k-Leitlinie Chronische Obstipation. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), AWMF-Registernummer 021-019, Version 1.0, 04/2022. https://www.dgvs.de/leitlinien/unterer-gi-trakt/chronische-obstipation/
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.