Warum stoße ich ständig auf?

Porträt von Dr. Georg Mekras, Arzt mit Schwerpunkt Darmgesundheit Von Arzt, Schwerpunkt Darmgesundheit und funktionelle Medizin · Zuletzt aktualisiert am
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Kurze Antwort
Aufstoßen ist normal. Auffällig wird es, wenn es in Serie kommt und Sie im Alltag stört. Häufig steckt geschluckte Luft (Aerophagie), ein Reflux, supragastrisches Aufstoßen und in seltenen Fällen auch eine Dünndarmfehlbesiedlung dahinter. Serienweises Aufstoßen, das im Schlaf verschwindet und bei Ablenkung nachlässt, spricht für das supragastrisches Muster. Dagegen hilft angeleitete Zwerchfellatmung.

Die häufigste Ursache des Aufstoßens ist das Verschlucken der Luft (Aerophagie).

Es ist völlig normal, bis zu 30 Mal am Tag aufzustoßen, besonders nach dem Essen. Die häufigste Ursache ist die Aerophagie, also das Verschlucken von Luft. Ständiges Aufstoßen kann aber ein Hinweis für eine mögliche Erkrankung sein. Die häufigsten Erkrankungen, die zu häufigem Aufstoßen führen können, ist die gastrointestinale Refluxkrankheit (GERD) und supragastrisches Aufstoßen.

Geht es bei Ihnen um Aufstoßen oder um etwas anderes?

Drei Beschwerden liegen dicht beieinander und führen trotzdem in verschiedene Richtungen.

  • Aufstoßen ist Luft, die nach oben entweicht, oft hörbar und wiederholt. Darum geht es hier.
  • Übelkeit nach dem Essen ist das Gefühl, sich übergeben zu müssen.
  • Völlegefühl und Frühsättigung heißt, dass das Essen liegen bleibt oder eine normale Portion nicht mehr zu schaffen ist.

Wenn zusätzlich Nahrung zurück in den Mund kommt, ist das kein Aufstoßen mehr. Dazu unten mehr, denn dieser Unterschied ist entscheidend.

Was passiert beim Aufstoßen genau?

Man unterscheidet zwei Mechanismen, und sie fühlen sich für Betroffene ähnlich an.

Beim gastrischen Aufstoßen entweicht Luft, die tatsächlich im Magen war. Sie ist beim Essen und Trinken dorthin gelangt, etwa mit kohlensäurehaltigen Getränken oder hastigem Schlucken. Das ist der normale Vorgang, den jeder Mensch kennt.

Beim supragastrischen Aufstoßen erreicht die Luft den Magen gar nicht. Sie wird entweder durch Unterdruck in die Speiseröhre gezogen oder mit der Rachenmuskulatur hineingedrückt und sofort wieder ausgestoßen. Das gilt als verhaltensbedingtes Muster und nimmt unter Anspannung zu. Es läuft unbewusst ab, ist also nichts, was jemand absichtlich tut.

Diese Unterscheidung ist der wichtigste Punkt auf dieser Seite, weil sie den weiteren Weg bestimmt. Aufstoßen in Serie, teils mehrfach pro Minute, das im Schlaf vollständig verschwindet und bei Ablenkung nachlässt, spricht für das supragastrale Muster. Beim gastralen Aufstoßen gibt es dagegen meist einen erkennbaren Bezug zu Getränken, Mahlzeiten oder Essgeschwindigkeit.

Welche Ursachen für Aufstoßen kommen infrage, und wie wird jede abgeklärt?

UrsacheTypische BeschwerdenWas dafür sprichtWie es abgeklärt wird
Supragastrisches AufstoßenAufstoßen in Serie, oft mehrfach pro Minute, nachts nicht vorhandenZunahme unter Stress, Nachlassen bei Ablenkung, kein Zusammenhang mit bestimmten SpeisenAnamnese, bei Bedarf 24h-Impedanz-pH-Metrie / Oesophagus-Manometrie (HRM), Behandlung über angeleitete Zwerchfellatmung
Geschluckte Luft (Aerophagie)Aufstoßen mit klarem Bezug zu Getränken, Trinkhalm, Kaugummi, hastigem Essen oder Sprechen beim EssenBesserung, wenn diese Punkte wegfallenAnamnese, einfacher Selbstversuch über zwei Wochen
Reflux (Magensäure reizt die Speiseröhre)Brennen hinter dem Brustbein, saures oder bitteres Aufstoßen, nachts oder im Liegen schlimmerBesserung im Sitzen, Zusammenhang mit späten oder großen Mahlzeiten, Heiserkeit, ReizhustenAnamnese, Magenspiegelung, bei unklarer Lage pH-Metrie mit Impedanzmessung
Gastritis und Helicobacter pyloriAufstoßen mit Brennen oder Druck im Oberbauch, AppetitminderungNSAR-Einnahme, Alkohol, familiäre Magenkrebsfälle, frühere UlkusanamneseTest auf H. pylori (Harnstoff-Atemtest oder Stuhlantigen, jeweils nach Pause von Säureblockern und Antibiotika) oder Magenspiegelung mit Gewebeproben
Verzögerte Magenentleerung (Gastroparese)Aufstoßen zusammen mit Frühsättigung und Übelkeit, gelegentlich Erbrechen unverdauter Speisen Stunden späterBekannter Diabetes, Zustand nach Operationen im Oberbauch, GLP-1-RezeptoragonistenErst Magenspiegelung zum Ausschluss einer Verlegung, dann Magenentleerungsmessung über vier Stunden
Funktionelle DyspepsieAufstoßen zusammen mit Druck und Völlegefühl nach normalen Mahlzeiten, über Monate wechselndBeschwerden seit mindestens drei Monaten, unauffällige Basisdiagnostik, keine WarnzeichenAnamnese nach Rom-IV-Kriterien, Ausschluss anderer Ursachen
Magengeschwür und bösartige UrsachenAufstoßen zusammen mit anhaltendem Oberbauchschmerz, Schluckstörung, Gewichtsverlust oder BlutungszeichenWarnzeichen, höheres Lebensalter, NSAR, familiäre Häufung von Magen- oder SpeiseröhrenkrebsMagenspiegelung mit Gewebeproben, vorrangig vor allen anderen Schritten
Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO)Aufstoßen zusammen mit Völlegefühl, Blähungen und wechselndem Stuhl, nicht als einzelne BeschwerdeVorgeschichte mit Bauchoperation, Motilitätsstörung, Verwachsungen oder Grunderkrankung wie Diabetes. langjährige Einnahme von ProtonenpumpenhemmernZuerst die Vortestwahrscheinlichkeit ärztlich klären, danach ein SIBO-Atemtest als ein Baustein. Der Test liefert einen Messwert, keine Diagnose

Kommt ständiges Aufstoßen von einer Dünndarmfehlbesiedlung?

Aufstoßen allein ist dafür ein schwacher Hinweis. Häufiger sind geschluckte Luft, eine Gastritis und das supragastrale Muster, und beide haben mit dem Dünndarm nichts zu tun.

Ernsthaft zu überlegen ist eine Dünndarmfehlbesiedlung erst, wenn zum Aufstoßen Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit nach dem Essen und wechselnder Stuhl kommen, und wenn zusätzlich ein plausibler Grund für eine gestörte Dünndarmbewegung vorliegt, etwa Voroperationen im Bauchraum, eine bekannte Motilitätsstörung, Verwachsungen, eine niedrige Pankreaselastase oder eine Grunderkrankung wie Diabetes. Auch dann bleibt es eine Überlegung und keine Diagnose. Prospektive Daten zur Vorhersagekraft dieser Symptomkombination gibt es nicht.

Ein Atemtest klärt die Frage nicht abschließend. kann aber einen wichtigen Hinweis geben. Für den Laktulose-Atemtest liegen Sensitivität und Spezifität bei 42,0 und 70,6 Prozent, für den Glukose-Atemtest bei 54,5 und 83,2 Prozent (Losurdo et al., J Neurogastroenterol Motil 2020). Er kann bei passender Vortestwahrscheinlichkeit Teil der Abklärung sein.

Was hilft gegen supragastrisches Aufstoßen?

Beobachten Sie zwei Wochen lang, ob das Aufstoßen nachts auftritt, bei Ablenkung nachlässt oder einen Bezug zu Getränken und Essgeschwindigkeit hat. Eine Besonderheit des supragastrischen Aufstoßens ist, dass es beim Sprechen unterdrückt wird und in Serien vorkommt. Diese Angaben helfen in der Sprechstunde, ersetzen aber keine Diagnostik. Eine Oesophagus-Impedanzmessung kann gastrisches und supragastrisches Aufstoßen unterscheiden, wenn die Anamnese nicht ausreicht.

Der Grund: Bei diesem Muster erreicht die Luft den Magen nicht. Maßnahmen gegen geschluckte Luft wie weniger Kohlensäure, Kaugummi oder Trinkhalme können bei einem gleichzeitig bestehenden gastrischen Muster helfen, behandeln supragastrisches Aufstoßen aber nicht gezielt.

Ein zeitlich begrenzter Selbstversuch mit kohlensäurefreien Getränken, ohne Trinkhalm und Kaugummi sowie mit langsamerem Essen kann als Beobachtungshilfe dienen. Er trennt die Mechanismen aber nicht zuverlässig. Bleiben die Beschwerden, können eine fachliche Beurteilung und bei Bedarf eine 24h-Impedanz-pH-Metrie und/oder Oesophagus-Manometrie (HRM) sinnvoll sein.

Stellt sich heraus, dass es sich bei den Beschwerden um eine supragastrisches Aufstoßen handelt, dann ist das Ziel die Kontrolle über das Zwerchfell. Die wichtigste Behandlung ist die Verhaltenstherapie mit Atemübungen.

Ihr nächster Schritt

Beobachten Sie zwei Wochen lang, ob das Aufstoßen nachts auftritt, bei Ablenkung nachlässt oder einen Bezug zu Getränken und Essgeschwindigkeit hat. Diese Angaben helfen in der Sprechstunde, ersetzen aber keine Diagnostik. Eine Oesophagus-Impedanzmessung kann gastrisches und supragastrisches Aufstoßen unterscheiden, wenn die Anamnese nicht ausreicht.

Wenn zum Aufstoßen Völlegefühl, Blähungen und Übelkeit nach dem Essen kommen und Ihre Vorgeschichte zu einer gestörten Dünndarmbewegung passt, finden Sie auf der Seite zur Dünndarmfehlbesiedlung ausführlich, wie eine Abklärung dort abläuft und was ein Atemtest leisten kann.

Welche Warnzeichen gehören ärztlich abgeklärt?

Ständiges Aufstoßen ist für sich genommen selten gefährlich. Diese Zeichen gehören trotzdem zeitnah ärztlich beurteilt, und zwar bevor eine Ernährungsumstellung beginnt:

  • Schluckstörung oder das Gefühl, dass Essen stecken bleibt
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Wiederholtes Erbrechen
  • Frühsättigung, die neu aufgetreten ist
  • Blutarmut oder ein neu aufgetretener Eisenmangel
  • Tastbare Verhärtung im Bauch
  • Magen- oder Speiseröhrenkrebs bei nahen Verwandten
  • Zustand nach einer Magenoperation
  • Neu aufgetretene Beschwerden im höheren Lebensalter. Die Grenze wird je nach Leitlinie zwischen 45 und 60 Jahren gezogen, im deutschsprachigen Raum eher niedriger

Sofort in die Notaufnahme oder Notruf 112: Bluterbrechen oder kaffeesatzartiges Erbrechen, schwarzer teerartiger Stuhl, plötzlicher heftiger Bauchschmerz mit hartem Bauch, Brustschmerz oder Oberbauchdruck zusammen mit Luftnot, Kaltschweißigkeit oder Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer.

Häufige Fragen

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Externe Quellen

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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Dr. Georg Mekras
Über den Autor

Dr. Georg Mekras ist Arzt und Gesundheitsberater mit Schwerpunkt auf ganzheitlicher und funktioneller Medizin. Seine Arbeit dreht sich um Darmgesundheit, Mikrobiom und die Frage, warum Verdauungsbeschwerden oft jahrelang ohne Erklärung bleiben.

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