Chronischer Durchfall: Was steckt dahinter?

Porträt von Dr. Georg Mekras, Arzt mit Schwerpunkt Darmgesundheit Von Arzt, Schwerpunkt Darmgesundheit und funktionelle Medizin · Zuletzt aktualisiert am
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Kurze Antwort
Etwa 6,6 Prozent der Erwachsenen berichten über weichen oder wässrigen Stühlen (Singh et al., Am J Gastroenterol 2018). Am häufigsten tritt eine Störung im Zusammenspiel von Darm und Nervensystem auf, daneben kann es auch um einen Verlust von Gallensäuren, Zöliakie, Nebenwirkungen von Medikamenten, eine Entzündung der Darmwand oder eine Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) gehen.

Zunächst werden Erkrankungen ausgeschlossen: Zöliakie-Antikörper, ein Basislabor aus dem Blut, Calprotectin und Erreger aus dem Stuhl sowie ein Ultraschall des Bauches. Häufig treten chronische Durchfälle nach derEntfernung der Gallenblase auf. Auch an eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) sollte man denken.

Bei chronischem Durchfall, weichem Stuhl oder häufigem Stuhlgang sollte eine SIBO ausgeschlossen werden.

Chronischer Durchfall kann die Lebensqualität betroffener Menschen stark beeinträchtigen. Zunächst sollte nach einer Ursache gesucht werden. In vielen Fällen lautet die Diagnose funktionelle Diarrhoe oder Reizdarmsyndrom. Was in der Praxis aber vergessen wird: eine Dünndarmfehlbesiedlung ausschließen. Sie ist häufiger, als die meisten Menschen denken.

Ab wann ist Durchfall chronisch?

Ein akuter Durchfall hält normalerweise nur wenige Tage lang an, höchstens zwei Wochen, und ist meist auf eine Infektion zurückzuführen. Akute Durchfälle sind in den meisten Fällen selbstlimitierend. Darum geht es auf dieser Seite nicht, sondern um den chronischen Durchfall.

Von chronischem Durchfall spricht man, wenn er länger als vier Wochen anhält. Zwei Bedingungen müssen dabei erfüllt sein, damit man überhaupt von einem Durchfall spricht: mindestens drei weiche Stühle pro Tag und mindestens vier Wochen lang (BSG-Leitlinie 2018). Medizinisch betrachtet spielt auch das Stuhlgewicht eine Rolle. Wenn das tägliche Stuhlgewicht über 200g pro Tag liegt, dann spricht man auch von Durchfall. Ein normales Stuhlgewicht beträgt bei Erwachsenen ca. 100-200 Gramm pro Tag.

Wichtiger als die Anzahl der Toilettengänge ist die Beschaffenheit des Stuhls. Wenn jemand fünfmal am Tag einen geformten Stuhl hat, leidet er nicht automatisch unter Durchfall, sondern nur unter einer hohen Frequenz. Die medizinischen Definitionen beziehen sich daher auf die Bristol-Skala, auf der die Typen 6 und 7 den breiigen und den flüssigen Stuhl bezeichnen (Mearin et al., Gastroenterology 2016). Am einfachsten ist es, dem Patienten in der Praxis die Bristol-Skala bildlich zu zeigen, dann kann man als Arzt besser einschätzen, ob der Patient unter Durchfall leidet oder unter einer zu hohen Stuhlfrequenz.

Haben Sie Bauchschmerzen dabei? Wenn Schmerzen vorhanden sind, die mit dem Stuhlgang verknüpft sind – also vorher kommen und danach nachlassen –, spricht das dafür, dass es sich um ein Reizdarmsyndrom vom Durchfall-Typ handelt. Fehlen die Schmerzen und ist der Stuhl lediglich weich, deutet das eher auf einen funktionellen Durchfall hin. (Singh et al., JAMA 2026) hin. Übrigens, Durchfall bezeichnen Mediziner als Diarrhoe.

Ist dagegen der Bauch gespannt und aufgetrieben, und ist der Stuhlgang wechselhaft, lesen Sie den Artikel ständiger Blähbauch. Wenn Sie bereits die Diagnose Reizdarm erhalten haben und wissen möchten, wie er sich zu einer Fehlbesiedlung verhält, finden Sie weitere Informationen bei SIBO und Reizdarm.

Wie viele Menschen leiden unter chronischem Durchfall?

In einer Umfrage mit 5.246 Erwachsenen meldeten 6,6 Prozent, dass sie häufiger als üblich weichen oder wässrigen Stuhl haben (Singh et al., Am J Gastroenterol 2018). Frauen, ältere Menschen, Übergewichtige und Menschen mit depressiver Verstimmung waren häufiger betroffen. Eine aktuelle Übersicht legt nahe, dass die Häufigkeit bei Erwachsenen etwa 6 bis 7 Prozent beträgt(Singh et al., JAMA 2026). Die Daten stammen aus den USA.

Etwa jeder fünfzehnte Erwachsene lebt also dauerhaft damit. Und laut der gleichen Übersichtsarbeit erwarten die Autoren, dass rund 90 Prozent der chronischen Durchfälle nicht infektiös bedingt sind (Singh et al., JAMA 2026).

In der Praxis zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Nur wenige Patienten leiden klassisch an Durchfall. Viel häufiger ist weicher Stuhl. Dabei berichten Patienten, dass sie schon viele Jahre keinen richtig geformten Stuhl haben. Aber auch der Wechsel zwischen weichem Stuhl und normalem Stuhl (oder auch Verstopfung) kommt immer wieder vor. Bei diesen Patienten kann man nicht von Durchfall sprechen, sondern von wechselhaften Stühlen oder ganz allgemein von Stuhlveränderungen.

Warum ist ständiger Durchfall mehr als nur lästig?

Mit dem Verlust von Wasser gehen auch Salze verloren, insbesondere Kalium und Natrium. Ein kontinuierlicher Verlust dieser Salze kann zu Müdigkeit und Schwäche führen, und in schweren Fällen kann es zu Kreislaufproblemen kommen. Vor allem bei älteren Menschen ist das besonders relevant. Auch Magnesium, Calcium und Chlorid können verloren gehen.

Bei einer zu schnellen Darmpassage werden Nährstoffe wie Eisen, Vitamin B12 und fettlösliche Vitamine nicht gut genug aufgenommen. Das betrifft vor allem Menschen, die mehrmals am Tag Stuhlgang haben.

Nicht selten leidet auch die Lebensqualität unter einem chronischen Durchfall. Menschen, die nicht wissen können, ob sie die nächste halbe Stunde ohne Toilette durchstehen, vermeiden Termine und Reisen oder essen vor Verabredungen nichts. Dies ist keine Überempfindlichkeit, sondern eine verständliche Reaktion.

Was sind die häufigsten Ursachen für chronischen Durchfall?

UrsacheTypisches MusterWas dafür sprichtSinnvoller nächster Schritt
Funktionelle Diarrhoe (funktioneller Durchfall)Anhaltend weiche bis wässrige Stühle ohne nennenswerte BauchschmerzenWie beim Reizdarmsyndrom, nur fehlt der Schmerz als führendes Merkmal; zusammen sind beide die häufigsten Ursachen überhaupt (Singh et al., JAMA 2026)Dieselbe Basisdiagnostik wie beim Reizdarm; danach Ernährung, Bewegung und, wenn nötig, eine symptomlindernde Behandlung besprechen. Entspannungsverfahren können hilfreich sein
Medikamente oder NahrungsergänzungDer Durchfall beginnt zeitlich mit einem neuen Präparat oder einer DosisänderungMetformin, Protonenpumpenhemmer, magnesiumhaltige Präparate, Antidepressiva, einzelne Blutdruck- und RheumamittelMedikationsplan ärztlich durchgehen, nichts eigenmächtig absetzen
AntibiotikaDer Durchfall beginnt zeitlich während oder nach einer Antibiotika-GabeZeitlicher Zusammenhang mit der Antibiotika-GabeProbiotika während und nach einer Antibiotika-Gabe geben, um die Nebenwirkungen zu lindern, C.-difficile-Ausschluss
Malabsorptionssyndrome (Laktosemalabsorption, Fructosemalabsorption, Sorbitintoleranz)Blähungen und Durchfall ein bis mehrere Stunden nach bestimmten Speisen, beschwerdefrei an FastentagenMilchprodukte, größere Obstmengen, zuckerfreie Kaugummis und Bonbons, Süßungsmittel auf „-it“, wie SorbitZwei Wochen gezielt weglassen und notieren, danach wieder einführen, ggf. Atemtest
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosaDurchfall mit Blut oder Schleim, Bauchschmerz, nächtliche Entleerungen, Fieberschübe, GewichtsverlustBeginn im jungen Erwachsenenalter, erhöhte Entzündungswerte, Angehörige betroffenCalprotectin im Stuhl bestimmen lassen, bei erhöhtem Wert Darmspiegelung
ZöliakieBeschwerden über Monate, oft zusätzlich Erschöpfung, Müdigkeit, Eisenmangel, GewichtsverlustFamiliäre Häufung, Blutarmut, MangelzuständeBlutuntersuchung vor jedem Glutenverzicht, ärztlich veranlasst
Mikroskopische KolitisChronisch wässriger, nicht blutiger Durchfall, oft nachts, Darmspiegelung „unauffällig“Höheres Alter, weibliches Geschlecht, Rauchen, Zöliakie oder Schilddrüsenentzündung, dazu Dauermedikamente: Protonenpumpenhemmer, entzündungshemmende Schmerzmittel, bestimmte AntidepressivaDarmspiegelung mit Stufenbiopsien ansprechen, ohne Gewebeproben wird sie übersehen
Nach einem Magen-Darm-Infekt (postinfektös)Seit einer durchgemachten Infektion nie wieder normal, oft nach ReisedurchfallKlar benennbarer Beginn, davor beschwerdefreiErreger im Stuhl untersuchen lassen, Lamblien-Antigen ausdrücklich mit anfordern
SchilddrüsenüberfunktionHäufiger Stuhlgang, innere Unruhe, Herzklopfen, Gewichtsverlust trotz Appetit, WärmeempfindlichkeitNeu aufgetretene Nervosität, Schlafstörung, ZitternTSH, fT3, fT4 und ggf. rT3 im Blut bestimmen lassen, ggf. Ultraschall
Bösartige Tumoren (z.B. ein Kolonkarzinom)Plötzlich veränderte StuhlgewohnheitenBlut im Stuhl, familiäre Häufung, Bleistiftstühle, kolikartige BauchschmerzenSelten, aber wichtig, abzuklären. Beim Verdacht sofort zum Arzt, Dickdarmspiegelung (Koloskopie) veranlassen, Vorsorge-Untersuchungen wahrnehmen
Verlust von Gallensäuren (Gallensäureverlustsyndrom)Wässriger, dringender Stuhlgang, oft morgens und kurz nach dem Essen, gelblich, gelegentlich nachtsGallenblase entfernt, Operation oder Entzündung am unteren Dünndarm, Bestrahlung im Bauchraum, kann SIBO auslösen oder die Folge davon seinÄrztlich besprechen, ob ein zeitlich befristeter Behandlungsversuch mit einem Gallensäurebinder infrage kommt
Nachlassende Leistung der Bauchspeicheldrüse (exokrine Pankreasinsuffizienz)Heller, voluminöser, klebriger Stuhl, deutlich schlimmer nach fettreichem Essen, langsamer GewichtsverlustFrühere Bauchspeicheldrüsenentzündung, langjähriger Alkoholkonsum, Diabetes, Veränderungen im Alter, kann SIBO auslösen oder die Folge davon seinPankreaselastase im Stuhl bestimmen lassen
Reizdarmsyndrom vom Durchfall-TypWeiche bis wässrige Stühle zusammen mit Bauchschmerz, der sich mit dem Stuhlgang ändert; Verlauf über Monate bis Jahre, oft in SchübenBeschwerden seit mindestens sechs Monaten, keine Warnzeichen, unauffällige Basisdiagnostik, Verstärkung unter BelastungDie Basisdiagnostik vollständig abschließen (Ausschlussdiagnose)
Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO)Blähbauch, Durchfall, wechselnde Stuhlform, Beschwerden nehmen im Tagesverlauf zuVorausgegangene Darminfektion, Voroperation am Magen-Darm-Trakt, jahrelange Beschwerden ohne ErklärungÄrztlich veranlasster SIBO-Atemtest, ergänzend eine Mikrobiom-Analyse

Die deutsche Leitlinie nennt viele dieser Bilder explizit als Störungen, die sich wie ein Reizdarmsyndrom anfühlen und dennoch ursächlich behandelt werden können. Gallensäureverlust und Dünndarmfehlbesiedlung werden in derselben Aufzählung genannt (S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom 2021).

Das Reizdarmsyndrom und die funktionelle Diarrhoe stehen bewusst mit in dieser Übersicht. Sie können Ursachen für ständigen Durchfall sein, und nach einer aktuellen Übersichtsarbeit sind sie sogar die mit Abstand häufigsten (Singh et al., JAMA 2026).

Bei einer längeren Vorgeschichte können oft zwei Probleme gleichzeitig vorliegen, zum Beispiel ein Gallensäureverlust und zusätzlich eine Dünndarmfehlbesiedlung. Dies erklärt die oft frustrierende Erfahrung vieler Betroffener, bei denen eine Maßnahme etwas verbessert, aber das Problem nicht vollständig löst.

Welche Rolle spielt eine Dünndarmfehlbesiedlung bei chronischem Durchfall?

Chronischer Durchfall und weiche Stühle sind typisch für bestimmte Arten der Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO). Auch eine zu schnelle Magen-Darm-Passage mit häufigen Stuhlgängen kann Folge einer SIBO sein. Wenn alle anderen Faktoren ausgeschlossen wurden, sollte man auch eine Dünndarmfehlbesiedlung in Betracht ziehen – besonders wenn auch Blähungen häufig auftreten.

Vor allem zwei Formen der Dünndarmfehlbesiedlung können auch Durchfall auslösen. Die häufigste Form ist die Wasserstoff-SIBO. Aber auch eine ISO, also die Schwefelwasserstoff-SIBO, kann Durchfall verursachen.

Um herauszufinden, ob eine SIBO die Ursache für den Durchfall ist, ist es sinnvoll einen SIBO-Atemtest zu machen. In einigen Fällen kann auch eine Mikrobiom-Analyse sinnvoll sein.

Was, wenn der chronische Durchfall mit einem Magen-Darm-Infekt angefangen hat?

Chronischer Durchfall kann die Folge einer Magen-Darm-Infektion sein. Nach einem Magen-Darm-Infekt entwickeln 10,1 Prozent der Betroffenen innerhalb von zwölf Monaten ein Reizdarmsyndrom, 14,5 Prozent nach dieser Zeit; im ersten Jahr ist das Risiko gegenüber Nicht-Infizierten 4,2-fach erhöht (Klem et al., Gastroenterology 2017). Die Infektion hinterlässt eine veränderte Schleimhaut, eine veränderte Nervenversorgung und oft eine gestörte Reinigungsbewegung des Dünndarms. Genau diese Reinigungsbewegung (Migrating Motor Complex) ist der Grund, warum ein durchgemachener Infekt eine Dünndarmfehlbesiedlung nach sich ziehen kann.

Ein Erreger kann sich ebenfalls festsetzen, wie es z.B. bei dem Parasiten Giardia lamblia der Fall sein kann. Die Infektion verläuft manchmal chronisch und wird nur bei gezieltem Suchen erkannt. Die deutsche Leitlinie nennt daher die Lamblien explizit in der Basisdiagnostik bei Reizdarm-Beschwerden (S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom 2021). Nach Reisen in bestimmte Regionen kommen weitere Erreger in Betracht, die in der Standarduntersuchung nicht enthalten sind. Daher sollten Sie den Ort Ihrer Reise nennen, auch wenn dies Jahre zurückliegt.

Wichtig ist, den Zusammenhang zu verstehen. Wenn die Reinigungswelle des Dünndarms nicht mehr gut funktioniert, dann kann das eine Dünndarmfehlbesiedlung zur Folge haben. In dem Fall muss man zunächst die Dünndarmfehlbesiedlung behandeln und anschließend die Bewegung des Dünndarms mit Prokinetika fördern.

Verursachen Fruktose und Sorbit chronischen Durchfall?

Obst ist gesund, aber nicht jeder verträgt es. Immer wieder kommen Patienten in die Praxis und berichten, dass sie Magen-Darm-Probleme haben, obwohl sie sich gut ernähren. Nicht alles, was aber als gesund empfunden wird, ist für jeden auch wirklich gesund. So kann bereits ein frisch gepresster Orangensaft starke Beschwerden auslösen. Die wenigsten würden das aber vermuten. Studien zeigen, dass eine Fruktosemalabsorption, also eine schlechte Aufnahme von Fruktose, bei ca. 15 bis 25% der Bevölkerung auftritt (Raithel et al., 2013). Und eine Fruktosemalabsorption verursacht nicht nur Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, sondern kann auch Depression und Ängstlichkeit begünstigen (Coursan et al., 2025).

Die individuelle Verträglichkeit von Fruktose ist unterschiedlich. Während einige Menschen schon bei 25 g Fruktose starke Beschwerden zeigen, vertragen andere Menschen deutlich mehr. Neben Fruktose kann auch eine Sorbitintoleranz zu chronischem Durchfall führen. Sorbit (E420) wird oft als Zuckeraustauschstoff eingesetzt, aber es kommt natürlicherweise auch in Gemüse und Obst vor.

Ob eine Fruktosemalabsorption oder einer Sorbitintoleranz vorliegt lässt sich mit einem einfachen Atemtest feststellen. Auch ein Auslassversuch kann sinnvoll sein.

Wichtig: Die Fruktosemalabsorption darf nicht mit der seltenen genetische bedingten (hereditären) Fruktoseintoleranz verwechselt werden. Diese sollte ebenfalls ausgeschlossen werden.

Was Sie bei chronischem Durchfall selbst tun können

MaßnahmeSo setzen Sie es umWorauf Sie achten sollten
Stuhl- und Ernährungstagebuch über zwei WochenTäglich notieren: Zeitpunkt, Beschaffenheit des Stuhls nach der Bristol-Skala, Dringlichkeit, nächtliche Entleerungen, und was Sie gegessen habenZwei Wochen reichen, länger bringt selten mehr.
Auf den Tagesverlauf achtenNotieren, ob der Bauch abends deutlich voller ist als morgens und ob Blähungen und Durchfall zusammen auftretenDieses Muster spricht eher für eine Fehlbesiedlung
Zuckeraustauschstoffe zwei Wochen weglassenZuckerfreie Kaugummis, Bonbons, „Light“-Produkte und Süßungsmittel auf „-it“ streichen: Sorbit, Xylit, Maltit, Mannit – auch sorbitreiche Lebensmittel meidenDer einfachste Test, den Sie selbst machen können. Danach bewusst wieder einführen, sonst wissen Sie nicht, ob es daran lag
Fruktose zwei Wochen lang reduzierenFruktosereiches Obst, insbesondere auch Trockenobst, zwei Wochen lang meiden. Auch auf Obstsäfte komplett verzichtenEbenfalls ein sehr einfacher Test, um herauszufinden, ob eine Fructosemalabsorption die Ursach für den chronischen Durchfall ist.
Kaffee, Alkohol und Sprudel zurückfahrenKoffein reduzieren, alkoholische und kohlensäurehaltige Getränke für einige Wochen weglassen; dazu regelmäßige Bewegung im AlltagBei funktionellem Durchfall gehören diese Maßnahmen zur Erstlinie (Singh et al., JAMA 2026). Sie klären keine Ursache, sind aber die Stellschrauben mit dem geringsten Aufwand
Flüssigkeit und Salze ersetzenÜber den Tag verteilt trinken, bei stärkeren Verlusten Elektrolyte ersetzenAuch an Vitamine und Mineralstoffe denken
Vorbefunde zusammensuchenOperationsberichte, Endoskopiebefunde einschließlich des Histologie-Teils, alte Laborwerte, vollständiger Medikationsplan, Auslandsreisen der letzten Jahre auf ein BlattBei einem Arztbesuch immer Vorbefunde mitbringen. Dadurch können viele Untersuchungen vermieden werden.

Warum ist eine Auslassdiät nicht immer sinnvoll?

Es ist verlockend, zunächst alles zu entfernen, was verdächtig erscheint. In der Praxis funktioniert das oft kurzfristig. Eine Auslassdiät ist aber nicht immer der beste Ansatz. Verzichtet man zum Beispiel auf Gluten, kann eine Zöliakiediagnostik nicht durchgeführt werden. Deshalb ist es wichtig, das Vorgehen mit einem Arzt abzustimmen.

Für Reizdarm-Beschwerden ist eine FODMAP-arme Ernährung nach der deutschen Leitlinie ein empfehlenswertes Verfahren, das in drei Phasen durchgeführt wird: Elimination, Toleranzfindung und Langzeiternährung (S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom 2021).

Eine Netzwerk-Metaanalyse über 13 Studien mit 944 Betroffenen zeigte, dass die FODMAP-arme Ernährung eine mögliche Methode zur Besserung der Gesamtbeschwerden sein kann (Black et al., Gut 2022).

Eine FODMAP-arme Ernährung sollte immer ärztlich oder durch eine medizinische Ernährungsberatung begleitet werden. Das ist keine Ernährungsform, die dauerhaft durchgeführt werden sollte. Ohne strukturierte Wiedereinführung verengt sich die Ernährung dauerhaft, und das Mikrobiom ändert sich mit. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Seite zur FODMAP-Diät.

Welche Hausmittel und rezeptfreie Präparate können bei chronischem Durchfall eingesetzt werden?

Keines der hier vorgestellten Hausmittel oder Medikamente bekämpft die Ursache des Durchfalls. Sie dienen dazu, Ihren Alltag erträglicher zu gestalten, während die genaue Ursache untersucht wird. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass das Wort „pflanzlich“ oder „rezeptfrei“ nicht bedeutet, dass sie keine Nebenwirkungen haben können.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, dass sich die Beschwerden mit bestimmten Präparaten bei 50 bis 80 Prozent der Betroffenen verbessern (Singh et al., JAMA 2026).

Hausmittel / WirkstoffWie wirkt es?Wofür geeignet?Grenzen und Nebenwirkungen
Flohsamenschalen (oder andere quellende Ballaststoffe)Binden Wasser im Darm und geben dem Stuhl Form, ohne die Passage zu bremsenWeicher, breiiger Stuhl; lösliche Ballaststoffe können beim Durchfall-Typ eingesetzt werden (S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom 2021)Langsam einschleichen und ausreichend trinken, sonst anfangs mehr Blähungen. Mindestens eine Stunde Abstand zu anderen Medikamenten, weil deren Aufnahme beeinträchtigt werden kann. Nicht bei Verdacht auf eine Verengung des Darms
Orale RehydrierungRehydrierung, gleicht den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausAkuter Durchfall (besonders wichtig bei Kindern zur Vermeidung von Dehydration), aber bei chronischen Durchfall sinnvollKeine spezifischen Nebenwirkungen, Eigene Lösung kann selbst hergestellt werden: 1 Liter Wasser, 4 Teelöffel Zucker, 3/4 Teelöffel Salz, 1 Tasse Orangensaft
Kohletten (Medizinische Kohle)Wirken als Gasfänger und bindenAkute Durchfallerkrankung (2 bis 4 Tabletten, mehrmals täglich) – nicht für chronischen Durchfall geeignetKönnen bei dauerhafter Einnahme Verstopfung auslösen, führen zu schwarzen Stuhlgang (unbedenkliche Nebenwirkung)
Loperamid (z. B. Imodium akut®)Bremst die Darmbewegung, sodass mehr Zeit zur Wasseraufnahme bleibtWird eher bei akutem Durchfall eingesetzt. Nach Rücksprache mit dem Arzt auch bei chronischem DurchfallNicht nehmen bei Fieber, blutigem Stuhl oder Verdacht auf eine bakterielle Darminfektion, Nebenwirkungen sind Schlaflosigkeit oder Mundtrockenheit, bei chronischem Durchfall niedrigere Dosis einnehmen und nur nach Rücksprache mit dem Arzt
Spasmolytika (z.B. Buscopan®)Wirkt vor allem krampflösendWird vor allem bei Bauchkrämpfen eingesetzt, kann aber auch bei Reizdarm hilfreich sein, längere Einnahme nach Rücksprache mit dem ArztNebenwirkungen sind Mundtrockenheit oder schnellerer Herzschlag
Probiotika (z.B. Perenterol® / Saccharomyces boulardii)Unterstützen die Regeneration der DarmepithelienAkute Durchfallerkrankungen, Reiseapotheke, längere Einnahme nach Rücksprache mit dem ArztBei stark geschwächtem Immunsystem nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen
Racecadotril (z. B. Vaprino®)Vermindert die Abgabe von Wasser und Salzen in den Darm, ohne die Passage zu verlangsamenAkute DurchfallerkrankungenNur zur kurzfristigen Anwendung, selten Überempfindlichkeitsreaktionen mit Schwellungen im Gesicht- und Rachenbereich, dann sofort absetzen und ärztlich vorstellen
Gallensäurebinder (z.B. Colestyramin)Binden überschüssige Gallensäure im DarmGallensäurenverlustsyndrom (chologene Diarrhö)Nur anwenden, wenn Gallensäure im Stuhl nachweislich stark erhöht ist
ColostrumUnterstützt Regeneration und Reparatur der geschädigten Darmschleimhaut (Stärkung der Darmbarriere bei Leaky Gut)Als unterstützende Maßnahme bei DurchfallerkrankungenGelegentlich auftretender Hautausschlag oder Juckreiz
Kurzkettige Fettsäuren (verkapseltes Butyrat)Unterstützt Regeneration und Reparatur der geschädigten Darmschleimhaut (Stärkung der Darmbarriere bei Leaky Gut)Als unterstützende Maßnahme bei Durchfallerkrankungen, auch bei chronischem DurchfallRiecht extrem unangenehm (Buttersäure), deshalb mikroverkapseltes Butyrat nehmen. Kann leichte Blähungen auslösen.

In der Praxis zeigt sich oft, dass Patienten nicht unter Durchfall leiden, sondern unter weichem Stuhl und häufigen Stuhlgängen. Häufige Stuhlgänge sprechen für eine zu schnelle Magen-Darm-Passage. In diesem Fall können Maßnahmen helfen, die die Darmschleimhaut stabilisieren und unterstützen.

Wann sollten Sie ärztlich abklären lassen?

Bei plötzlich einsetzendem, heftigem Bauchschmerz mit hartem Bauch, bei größeren Mengen frischen Bluts im Stuhl, bei schwarzem teerartigem Stuhl, bei Bluterbrechen oder kaffeesatzartigem Erbrechen, bei hohem Fieber mit Schüttelfrost sowie bei Kreislaufschwäche mit Benommenheit, trockener Zunge und kaum noch Urin gehen Sie sofort in eine Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112. Diese Symptome müssen sofort untersucht werden, nicht am nächsten Werktag. Das gilt ausdrücklich auch, wenn ein starker Durchfall mit Fieber und Krämpfen während oder nach einer Antibiotikabehandlung auftritt.

Bitte lassen Sie die Beschwerden zeitnah ärztlich abklären, wenn eines der folgenden Zeichen dazukommt:

  • Blut oder Schleim im Stuhl, auch in kleinen Mengen
  • Ungewollter Gewichtsverlust bei unveränderter Ernährung
  • Fieber oder Nachtschweiß über mehrere Wochen
  • Blutarmut, Eisenmangel oder andere Mangelzustände
  • Anhaltender Durchfall oder anhaltendes Erbrechen
  • Erstmaliges Auftreten nach dem 50. Lebensjahr
  • Beschwerden, die seit einer Auslandsreise bestehen
  • Durchfall nach einer Antibiotikabehandlung
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung, Zöliakie oder Darmkrebs in der Familie
  • Beschwerden, die trotz konsequenter Maßnahmen über Wochen zunehmen

Diese Liste ersetzt keine Untersuchung. Sie hilft Ihnen abzuschätzen, wann Abwarten nicht der richtige Weg ist.

Häufige Fragen

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Externe Quellen

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Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine Diagnose. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Dr. Georg Mekras
Über den Autor

Dr. Georg Mekras ist Arzt und Gesundheitsberater mit Schwerpunkt auf ganzheitlicher und funktioneller Medizin. Seine Arbeit dreht sich um Darmgesundheit, Mikrobiom und die Frage, warum Verdauungsbeschwerden oft jahrelang ohne Erklärung bleiben.

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